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Bauphasen - Entstehung der
"NS-Ordensburg"
Der Gebäudekomplex wurde zwischen
1934 bis
1941 als „NS-Ordensburg“, einer Schulungsstätte der Nationalsozialisten für ausgewählte Parteimitglieder, auf dem
Höhenrücken
südlich der Urfttalsperre gebaut.

Blick auf die "Burg" vom Weg
entlang der Urfttalsperre
Hauptbauphase von Juni 1934 - April
1936
- Gemeinschaftshaus
"Adlerhof"; mit 48 m hohem Wasserturm
- 10
„Kameradschaftshäuser“
(Mannschaftshäuser)
- 10
Sportplatz mit Freilichtbühne
(„Thingplatz“)
Erweiterung zwischen
1936- 1938
- 4
„Hundertschaftshäuser“(weitere
Mannschaftshäuser für jeweils 100 Personen)
- Burgschänke am
„Adlerhof&dquo;
- Hallenbad und Turnhalle
- Haus für weibliche
Angestellte, heute „Redoute“
- Eingangsbereich, heute der
Gebäudekomplex „Malakoff“/MTO
- Sonnwendplatz mit
„Fackelträger“
Erweiterung zwischen 1938-
1941(Ende der Bauarbeiten)
- Streifenfundament
für das "Haus des Wissens", heute Kaserne „Van
Dooren“
- Fundamente für einen
Hörsaal am "Haus des Wissens", heute Kino
„Crypte“
- Terasse mit
Stützmauerbauwerk, heute "Depot 31"
- Luftschutzbunker im Nord- und
Westhang
- Erdarbeiten für
Sportanlagen am Westhang, heute „Schelde (Escaut)“
Geplant:
bis 1937
- Exerzierhalle am
Westflügel des Eingangsbereichs
- Reithalle und Reitplatz
- seit 1937
- "Haus des Wissens mit
Glockenturm" oberhalb des "Adlerhofs"
- „Haus des
Sports“, Schwimmbad mit 200 m Bahn am Westhang
- "KdF (Kraft durch Freude)" Hotel
am Osthang
Geschichtliche Hintergründe
Am 30. Januar 1933 wurde Adolf
Hitler zum
Reichskanzler gewählt. Mit der neu erreichten Macht wurden
Schulungsstätten für den "Führer"nachwuchs der
NSDAP
notwendig.
Schulungs"burgen"
Dr. Robert Ley als
‚Reichsschulungsleiter’ war für die
Konzeption der
Ausbildung der Führungskräfte der Partei
verantwortlich.
Mit dem Vermögen der Deutschen Arbeiterfront (DAF, Nachfolger
der
1933 enteigneten Gewerkschaften) entwarf er das Modell von vier
„Schulungsburgen“ an den Grenzen Deutschlands (siehe Karte).
* im Norden in Krössinsee/Pommern, (heute polnische Kaserne)
* im Westen in Vogelsang/Nordeifel nahe der belgischen Grenze
* im Süden in Sonthofen/Allgäu (heute
Bundeswehr-Kaserne)
* Die vierte im Osten, Marienburg in Ostpreußen (nur Planung)

Karte der vier geplanten
Ordensburgen(gelb Deutschland in den Grenzen von 1939 gezeichnet nach
Putzger, Atlas der Geschichte)
Stätte der Ideologisierung
Grundgedanke war eine Schulung
gemäß
den Lehren der Partei zur Festigung der
Führungsstärke, wobei
uneingeschränkter Gehorsam, Selbstzucht, Entschlusskraft und
Tapferkeit allen anderen Wertbegriffen vorangestellt waren.
Individualität, eigne Entscheidungsfindung und geistige Kultur
war
nicht gefragt.
Wenngleich die Partei als „Neue weltumstürzende
Lehre“
auftreten wollte, entlieh sich Dr. Ley für propagandistische
Zwecke Ideen der mittelalterlichen Ritterorden.
Die Auswahl der "Ordensjunker"
Die Auswahl der Bewerber erfolgte
nach dem
„Deutschen Ideal“, gesund an Körper, Geist
und Seele, „rassisch einwandfrei“ und
vor allem mit hohen
Verdiensten in der Partei.
Die Ausbildung
Die
„Ordensjunker“ sollten je ein
Ausbildungsjahr auf jeder „Ordensburg“ durchlaufen.
Im
Mittelpunkt der Ausbildung stand die nationalsozialistischer
Weltanschauung wie „Rassenpolitik, Geopolitik“,
„politische Geschichte“ sowie die militärische
und
sportliche Ausbildung zur „Gesinnungs- und
Charakterbildung“.
Landschaftsarchitektur im Sinne
der Ideologie
Die Abgeschiedenheit und „Reinheit“ der Natur war
der
Rahmen für die „Blut und Boden“-Ideologie,
die streng
symmetrische, hierarchische Monumentalarchitektur, Vermittler des
Herrschaftsanspruchs. In die Landschaft eingepasst wurden die
Gebäude so angelegt, dass zu beiden Seiten einer Mittelachse
die
Baukörper aufwärts streben. Im Tiefpunkt gleichsam
symbolhaft
liegen Sportanlagen als Stätten der körperlichen
Ertüchtigung,
gefolgt auf der mittleren Ebene vom turmbewehrten Gemeinschaftshaus,
dem "Adlerhof", dem Lehr- und Erziehungsmittelpunkt. Am
höchsten Punkt des Bergrückens, nur in Fundamenten
angelegt,
das geistige Zentrum der „neuen Religion“ das
„Haus
des Wissens“ mit einem denkmalhaft
überhöhten Glockenturm.
Auch die Architektur entlieh sich zahlreiche Stilelemente
früherer
Epochen.
Zeitgeschichte seit 1936
- 1936 Eröffnung des Schulungsbetriebs
- Ende 1939 mit dem Einmarsch in
Polen am 1.September werden alle Schulungsteilnehmer abgezogen.
- 1940 werden Wehrmachtstruppen
für den Westfeldzug auf Vogelsang stationiert.
- Ab 1941 werden
Adolf-Hilter-Schüler, ausgewählte Kinder an parteigeführten Erziehungsanstalten, in Vogelsang einquartiert und
unterrichtet.
- Ab 1943 dient die "Burg" auch als öffentliche Krankenanstalt.
- Ende 1944 steht Vogelsang unter
starkem Beschuss, die "Burg" wird evakuiert, Stammpersonal
bleibt.
- 16.12.1944 werden
kampffähige Truppen von der "Burg" zur Ardennen-Offensive
abgezogen.
- Am 4.2.1945 nehmen Amerikaner die
"Burg" nahezu kampflos ein.
- Am 1.10.1946 werden die "Burg" und das
umliegende Gelände zum Truppenübungsplatz
unter englischer Verwaltung.
- Am 1. April 1950 erfolgt die
Übergabe des
Truppenübungsplatzes mit den Gebäuden von den
Engländern
an belgische Streitkräfte.
- Seit 1956 finden Übungen von
NATO-Truppen statt und später Vorbereitungen im kalten Krieg
- Vorbereitungen von Einsätzen in Krisengebieten
- Am 1.1.2006 ziehen die Belgier ihre
Truppe ab
und übergeben den Truppenübungsplatz und die
Gebäude an
Deutschland. Das Gelände soll in eine zivile Nutzung
überführt werden. Derzeit steht es unter der
Verwaltung der
Bundesanstalt für Immobilienanlagen und ist in Teilen überschrieben an vogelsang ip gemeinnützige GmbH.
Denkmalschutz

Gebäudekomplex
Vogelsang im
heutigen Zustand (schwarz=Gebäude bis 1945 gebaut,
lila=Gebäude nach 1945 gebaut, lila schwarz
umrahmt=Gebäude
mit Fundamenten vor 1945)
Der Gebäudekomlex der
Vogelsang ist
nach dem Krieg fast vollständig erhalten geblieben.Nur zwei Kameradschaftshäuser waren zerstört.Vom Adlerhof waren Ost- und teilweise Südseite so
stark
beschädigt, dass sie nicht wiederaufgebaut wurden. Auch das
oberste
Geschoss des Ostflügels wurde wegen
größerer
Kriegsschäden nicht wiederaufgebaut. Die Wandelhalle des
Westflügels wurde nach dem Krieg zugebaut und als
Veranstaltungssaal genutzt. Die Sporthalle wurde im Krieg
zerstört
und von den Belgiern in alter Form wiederhergestellt. Auf den
Fundamenten des „Hauses des Wissens“ bauten die
Belgier das
Kasernengebäude „Van Dooren“ und einen
großen
Kinosaal, „Crypte“. Außerdem entstanden
einige
Mannschaftsunterkünfte (Haus 48, Haus 59).
Außerhalb des historischen Gebäudekomplexes
entstanden im
sogenannten „Schelde“bereich (Escaut) weitere
Mannschaftsunterkünfte und Lagerräume, sowie ein
Munitionsdepot.
Seit 1988 stehen 46 historische
Gebäude aus
der Zeit vor 1945 unter Denkmalschutz. Seit 2003 sind auch das Kino und
die von den Belgiern in den 1950iger Jahren erbaute Tankstelle denkmalgeschützt. Das Kino und die
Burgschänke sind die einzigen Gebäude, die auch im
Innenraum
denkmalgeschützt sind.