Fledermausbesatz auf Vogelsang
Stand Juli 2009
Dreizehn Fledermausarten wurden seit Ende 2005 bis Sommer 2009 auf Vogelsang nachgewiesen. Sie ergänzen das grandiose Artenspektrum des Nationalparks
noch um drei Neufunde, die Zweifarbfledermaus, das Graue Langohr und die Bechsteinfledermaus.
Die engen Spaltenquartiere fordern dem Kartierer einen hohen technischen Aufwand, ein gutes Auge sowie Schwindelfreiheit und eine gewisse Beweglichkeit ab, um
Nachweise führen zu können.
Glück und manchmal zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, hat uns erfreuliche Ergebnisse
beschert, allerdings von einem Anspruch auf „Vollständigkeit“ klar entfernt.
Wohin im Winter ?
Der gesamte
Gebäudekomplex ist direkt auf
Fels gebaut wurde. Winterquartiere sind selten auf Vogelsang, weil Kellerräume weitgehend
fehlen. Bis März 2009 konnten an zehn potenziell geeigneten Gebäuden sieben Winterquartierstandorte
mit zehn Fledermausarten nachgewiesen werden. Insgesamt konnten 73 Quartierspalten und Hangplätzen detailliert beschrieben werden. Die Winterquartiere sind häufig Ganzjahresquartiere,
Rückzugsorte zu jeder Jahreszeit.

Braunes Langohr im Winterquartier in einem Kellergewölbe auf Vogelsang

Zweifarbfledermaus
In Ritzen und Spalten - Sommerlebensräume an der Burg
Das "Blend"mauerwerk des Gebäudekomplexes Vogelsang bietet ideale
Quartiere für viele Fledermausarten. Die dreijährige Bestandsaufnahme hat gezeigt, dass im Sommer praktisch jedes Gebäude von
Fledermäusen besetzt wird. In unendlich vielen Nischen haben sich die kleinen Zwergfledermäuse
typische Dach- und Mauerwerksquartiere gesucht. Insgesamt wurden 132 Sommerquartiere in den Jahren 2006 bis 2008
detailliert aufgenommen. Unsere Daten sprechen für Männchen-Sommerquartiere
sowie Balz- und Paarungsquartieren. Viele nebeneinander liegende Quartiere bestätigen
ein für Zwergfledermäuse typisches Verbundsystem aus Wechselquartieren. Grob geschätzt
verbringen Zwergflederäuse in vierstelliger Größenordnung den Sommer und vermutlich auch den Winter auf Vogelsang.
Die übrigen sieben im Sommer auf Vogelsang wohnenden Fledermausarten sind mit geschätzten
Beständen im höchstens zweistelligen Bereich deutlich geringer vertreten.
Eine wichtige und auffällige Art sind die Großen Mausohren, von denen allein 12 beringte Tiere
auf Vogelsang leben. Die meist freihängenden Männchen reisen im Frühjahr in ihre traditionellen
Balzquartiere an und warten bis zum Hochsommer auf die Weibchen, die erst zur Paarungszeit
einfliegen. Verschiedene „Revierplätze“ werden regelmäßig kontrolliert, um einen freigewordenen
Platz sofort zu besetzen, sobald der Revierinhaber ihn verlassen hat. Die Mausohren sind in der
Region verhaftet, wie ein Wiederfund eines auf Vogelsang beringten Mausohrs in einem Bergwerk
im 15 Kilometer (Luftlinie) entfernten Mechernich im Winter zeigt.
Ein Kleinod ist der Nachweis einer Wochenstube der seltenen Grauen Langohren auf Vogelsang.
Für Braue Langohren besteht ein Wochenstubenverdacht.

Zwergfledermaus in einer Mauerritze im Winterschlaf

Großes Mausohr beim Einflug in ein Gebäude

Graues Langohr bei einem Netzfang
Schutzkonzept für die Fledermäuse auf Vogelsang
Basierend auf der Kartierung haben wird grundsätzliche Schutzkategorien auf Vogelsang.
Ganzjahres-und Winterquartiere, die Wochenstube und die Quartiere der seltenen Arten müssen in
ihrer Struktur erhalten bleiben und umfassend geschützt werden.
Ein Quartierverbundnetz von
Wechselquartieren im Sommer muss gesichert werden.
Dieser Artenschutz, der auch andere tierische
Gebäudebewohner einschließt, ist eine gesellschaftliche Aufgabe für die Vogelsang eine
wichtige Vorbildfunktion leisten kann.
Im Rahmen des Projektes wurden Schutzmaßnahmen, Verschlüsse
und Quartieroptimierungen, dort realisiert, wo kein Konfliktpotenzial mit zukünftigem Umbau
und Nutzungen zu erwarten ist.
Aufgrund der nur konzeptionell bestimmten architektonischen Veränderungen
wurden konkrete Maßnahmenkonzepte für einzelne Gebäude bisher nicht erstellt.
Weil Umsiedlung von Fledermäusen nicht möglich ist, muss in interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen
Naturschutz, Denkmalschutz und Baubehörde in Zukunft nach den besten Lösungen gesucht
werden. Eine qualifizierte naturschutzfachliche
Baubegleitung ist anzuraten.
Bei der Begutachtung zur Sanierung des Kinodaches hat es bisher eine freiwillige Beteiligung der Vogelsang ip gemeinnützige GmbH gegeben.
Ebenso wurden die Naturschutzvereine bei der Aufstellung des Flächennutzungsplanes Vogelsang gehört und dem Gesetz entsprechend beteiligt.
Öffentlichkeitsarbeit
Das Projekt wurde der Öffentlichkeit in einem breiten Spektrum von Aktivitäten kommuniziert. Zahlreiche
Teilnehmer an den Exkursionen und Vorträgen, sowie ein guter Zustrom bei Tagespräsentationen,
aber auch die rege Abnahme unseres Ausstellungsflyers, ebenso wie die regelmäßig
hohen Zugriffsdaten auf unsere Internetseite bestätigen das Interesse.
„Gelebte“ Biodiversität ist dann erreicht, wenn wir unseren tierischen Mitbewohnern ihren Freiraum
in unserem Leben einräumen und sie in unserer nächsten Nähe, in unseren Häusern und
Gärten,akzeptieren