Fledermäuse auf Vogelsang

      Projekt der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt

    gefördert von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen



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Hilfe für Fledermaus und Co.

Was Sie beachten müssen:

Bei Arbeiten an Gebäuden vor allem im Dach- und Kellerbereich ,sowie an Hauswänden, müssen Sie damit rechnen, dass Fledermausquartiere betroffen sind. Bereits in der Planungsphase, so früh wie möglich, sollte ein regionaler Spezialist beteiligt werden. Je früher die Bedürfnisse der Fledermäuse (oder anderer geschützter tierischer Gebäudebewohner) abgeklärt werden können, desto geringer ist der Aufwand, die Arbeiten im Einklang mit vorgeschriebenen Schutzvorschriften durchzuführen.
Grundsätzlich gilt: Auch kleine Veränderungen können rigorose Folgen für die Tiere haben.

Wann können Arbeiten durchgeführt werden?

Führen Sie die Arbeiten erst aus, wenn die Tiere weggezogen sind (beachten sie die Sommerquartiers- bzw. Winterquartiersschonzeiten).
Alle Arbeiten an einem Fledermausquartier müssen mit der Unteren Landschaftsbehörde abgestimmt sein. Alle Fledermausarten gehören gesetzlich zu den besonders geschützten Arten.

Holzbehandlung im Dachstuhl

Schädliche Holzschutzmittel waren vor Jahrzehnten die Haupttodesursache für viele "Hausfledermäuse". Nachdem man festgestellt hat, dass auch Menschen an diesen Mitteln erkrankten, wurden sie weitgehend vom Markt genommen.
Es sollten nur Holzschutzmittel zur Anwendung kommen,die entweder im Tierversuch mit Fledermäusen getestet wurden oder deren Zusammensetzung mit solchen Mitteln vergleichbar ist (siehe www.fledermausschutz.ch).

Aus Sicht des Fledermausschutzes ist statt chemischer Holzbehandlung ein Heißluftverfahren vorzuziehen.

Chemische Holzbehandlung an Dachbalken oder -brettern dürfen bei Sommerquartieren erst nach dem Wegzug der Tiere aus dem Quartier (meist ab Oktober) durchgeführt werden und sollten zwei Monate vor deren Rückkehr (im Januar) abgeschlossen sein, damit für ein Ausdünsten etc. genügend Zeit bleibt.


Selbst bei nur kleinen Ausbesserungsarbeiten am Dach oder kleinen Reparaturen am Gebälk muss vorab geklärt werden, ob der direkte Hangplatz betroffen ist. Holzteile an Hangplätzen müssen kleinräumig zur geruchlichen Wiedererkennung verbleiben. Ebenso wichtig ist, dass die Ein- bzw. Ausschlupflöcher erhalten bleiben. Achten Sie darauf, dass während der Bauarbeiten Ein - und Ausflug nicht mit Gerüstplanen oder anderem versperrt werden.

Zugänge öffnen

Vielfach sind heute große offene Dachböden u.a. in Kirchen wegen Haustauben mit Gittern verschlossen. Öffnen Sie diese Vergitterungen fledermausfreundlich. Dazu kann man vergitterte Turmschlitze mit einem Einflugschlitz versehen, der nur von Fledermäusen passiert werden kann (siehe Abbildung).

Fledermauseinschlupf an einem Turmfenster

Bei Gitterabdeckungen im Traufbereich sind kleine etwa 10- 20 cm lange und 6-7 cm Breite (unterstes Mindestensmaß 2 cm breit) Öffnungen geeignet, damit die Fledermäuse einschlüpfen können. Eine breite von 8 cm sollte nicht überschritten werden, weil sich sonst auch Tauben hineinzwängen können.

Fledermausgerechte Öffnungen in den Gitterabdeckungen im Traufbereich

Tonröhren in der Giebelwand, die zur Belüftung des Dachbodens eingebaut sind, können als Einschlupfröhren umgebaut werden, um  Dachbodenflächen den Tieren zugänglich zu machen. Gleiches kann mit kommerziellen Fledermaus-Einbausteinen (z.B. Firma Schwegler), die ins Mauerwerk
eingemauert werden, erreicht werden. Die Rückwand geschlossener Steine kann mit der Bohrmaschine geöffnet, so dass eine Verbindung ins Hausinnere entstehen kann. Heute gibt es Einbausteine, die einen solchen Durchgangsschlitz bereits besitzen.

An der Dachverschalung entstehen immer kleine Spalten zur Mauer hin, hier können einzelne Öffnungen für Fledermäuse verbleiben.

Verschließen Sie nicht jede Ritze an Ihrem Haus, sondern bieten Sie den Fledermäusen Spalten von 3 x 5 cm an. Bitte beachten Sie, dass der Einflug nicht über der Haustür oder einem Hausteil liegt, dass Sie oft benutzen. Die kleinen Tiere machen geringfügig Kot, der Sie an dieser Stelle stören könnte. Suchen Sie sich eine Stelle, wo der Kot ihren Garten düngt.

Einflugöffnung an einem sanierten Schlossturm

Hinterlüftungsebenen sind geeignete Fledermausquartiere. An gaubenförmigen Lüftungsziegeln kann das Sieb bzw. Gitter in dem Lüftungselement mit einem Steinbohrer oder einer Zange entfernt und den Fledermäusen diese Ebene am Haus zugänglich gemacht werden. Die entstehenden Öffnungen sind für Tauben zu klein, für Fledermäuse ideal.
Bitte achten Sie darauf, dass durch die Lüftungsziegel keine Zugluft im Quartier entsteht. Es wird empfohlen Lüftungsziegel nur im unteren Teil des Daches einzubauen, da sich die Tiere wegen des Wärmestaues bevorzugt im Firstbereich aufhalten. Firstdurchlüftete Dächer sind in der Regel ungeeignet für Fledermäuse.
Bei Neueindeckung können Fledermausziegel kommerzieller Anbieter (siehe Literatur und Link Zanger,Arbeitsgemeinschaft Ziegeldach) auf der von der Wetterseite abgekehrten Dachseite eingebaut werden.
Bei regendichten Unterspannungbahnen ist eine Einschlupfkonstruktion (vgl. Literatur Zanger, Arbeitsgemeinschaft Ziegeldach) vorzusehen, damit Fledermäuse nicht an der Unterspannbahn abrutschen und eventuell in eine mögliche Falle an der Traufe zwischen Folie und Dachziegel geraten.

Einen Teil des Dachbodens kann man abtrennen, um ihn für die Fledermäuse zu reservieren. Zwischenwände, die sich an die Dachschräge oder die senkrechte Firstwand anschmiegen reichen aus, da "Hausfledermäuse" oft Spaltenbewohner sind. Ein Zugang zum jährlichen Säubern im Winter ist sinnvoll.

Unterhalb des Dachfirstes kann zwischen den Dachsparren ein Flachkasten aus unbehandeltem Massivholz angeschraubt werden.

Wandkasten für Fledermäuse in einer Flughalle in Nörvenich

An der Fassade können Quartiere in Form von kommerziellen Fledermaussteinen (siehe Linksliste) eingemauert werden. Fledermausflachkästen oder selbstgebaute Fledermausbretter können ebenfalls Verwendung finden. Sie sollten vor Zerstörung sicher und von der Wetterseite abgewandt angebracht werden.

Bei der Sanierung von Bruchstein- bzw. Ziegelmauerwerk sollten statisch unwichtige Spalten in kleinen Teilbereichen offen bleiben. Lassen Sie sich von einem Experten beraten.

Offen verputzer Torbogen in der Zitadelle Jülich, Kreis Düren

Winterquartiere anbieten

Als Winterquartiere sind kühle, feuchte und ungestörte Keller geeignet. Solche Kellergewölbe sollten eine Einflugöffnung von mindestens 3 cm x 5 cm besitzen und durch waagerechte Gitter vor unbefugtem Zutritt geschützt sein.Der Innenraum muss verschiedene Hangplätze anbieten. Fledermäuse nutzen dazu kleinste Rauheiten an Wänden und Decken. Ist die Decke zu glatt oder das Angebot sehr gering, kann man an geeigneten Stellen z.B. Hohlblocksteine aufhängen. Dies kommt auch dem Wunsch nach einem vor Feinden geschützten Schlafplatz den kleinen Versteckkünstlern sehr entgegen.



Schäden durch Fledermäuse ?

Fledermäuse bauen keine Nester, sie nehmen das, was sie vorfinden. Sie beißen sich nicht durch Isolierungen, sie nagen nicht an Holz, sie verrücken keine Dachziegeln, kurz um sie verursachen keine Schäden am Haus. 
Der Kot wird meist vor dem Quartier abgeladen. Sollten Sie die kleinen
Kotkrümel stören, so können Sie in einem Mindestabstand von 50 cm unter dem Quartier ein kleines Brettchen von höchstens 30 cm Breite anbringen. Ein Blumenkasten auf dem betroffenen Fenstersims hat die gleiche Wirkung. Die Düngung ist gratis.

Bitte beachten !

Schleiereulen sollten nicht an bestehenden Fledermausquartieren angesiedelt werden und umgekehrt. Schleiereulen aber auf keinen Fall aus ihren Quartieren vertreiben. Es gibt Beispiele, bei denen Schleiereulen und Fledermäuse im gleichen Innenhof leben.

Um dem Haustaubenproblem zu entgehen, vermeiden Sie Öffnungen mit einem Durchmesser von mehr als 8 cm freiem Durchflug und überdachte waagrechte Simse, die breiter als 8 cm sind.

Vermeiden sie Beleuchtung am Einflug- bzw. Ausflug.

Auch andere geschützte Tierarten können betroffen sein!

Befinden sich Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten der folgenden Tierarten im oder am Gebäude, sind diese zu berücksichtigen:

  • Fledermausquartiere (s.o. Sommer- und Winterquartiere),
  • Schwalbennester
  • Horste
  • Nester heimischer Vögel
  • Nester von Hornissen

Fragen sie einen Spezialisten um Rat.In NRW erhalten Sie dazu auch Auskunft bei den Landschaftsbehörden der Kreise und Städte oder den Biologischen Stationen der Region.

 

 

 

 

 

 


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